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Das große Missverständnis ist beendet

Fernando Alonso verlässt McLaren-Mercedes. Im Nachhinein war natürlich jeder schlauer und sich darüber im Klaren, dass die Kombination nicht so laufen würde, wie der spanische Doppelweltmeister sich das gedacht haben mochte. Aus einem Team wie Renault, dass nicht zuletzt durch seinen Ziehvater Flavio Briatore völlig auf ihn zugeschnitten war und in dem mit Giancarlo Fisichella eine anspruchslose Nummer 2 Dienst schob, zu McLaren und Ron Dennis, von dem seit den Schlachten zwischen Prost und Senna bekannt ist, seinen Fahrern mehr oder weniger freie Hand zu lassen, auf der Strecke und nicht am Taktiktisch Entscheidungen zu bewirken, solange am Ende das Team gewinnt; konfrontiert mit Lewis Hamilton, einem Nobody, der sich in Rekordschnelle als speedmäßig mindestens ebenbürtig und von der britischen Presse als Brite natürlich bevorzugt behandelt wurde, das alles schmeckte Alonso nicht – und nach dem Fauxpas, sich öffentlich über vermeintliche ungerechte Behandlung (was im Klartext nur bei Dennis nur bedeutet, dass Alonso und Hamilton gleichwertig behandelt wurden) auszuheulen, verspielte er sich auch noch viele Sympathien. Jetzt ist es überstanden und nun fragt sich die Welt – wohin geht die Reise?

 

Ferrari hat sicher keinen Grund, das erfolgreiche Doppel Raikkönen/Massa zu sprengen. Der eine ist Weltmeister, der andere ein klassischer Team Player, trotzdem jederzeit im Stande, ein Rennen zu gewinnen.

 

Toyota könnte sich Alonso, erst recht nach dem Abgang von Schumi II, sicher leisten, aber zu einem notorisch inkompetenten Team, das hauptsächlich dafür berühmt ist, Jahr für Jahr eine neue Fehlkonstruktion an den Start zu bringen, wäre für Alonso vermutlich ein Karrierekiller (wie’s auch, wenn auch ein vergoldeter, für Ralf war). Zudem bin ich zumindest skeptisch, ob Alonso dazu in der Lage ist, ein kriselndes Team wie das deutsch-japanische Erfolglosigkeitskombinat nach vorn zu bringen.

 

Auch Honda scheidet nach einem Katastrophenjahr mehr oder weniger selbstverständlich aus, BMW Sauber und Williams wirken gut positioniert (auch wenn natürlich die Gefahr im Raum steht, dass McLaren im Talentschuppen dieser Teams wildert, Nico Rosberg wird nicht erst seit gestern mit den Silberpfeilen in Verbindung gebracht), und nicht wirklich dazu in der Lage, ein Weltmeistergehalt zu zahlen, von den anderen Midfieldern und Backmarkern braucht man nicht zu reden.

 

Bleiben eigentlich nur zwei Optionen – eine Heimkehr zu Renault, wo man ihn sicherlich mit offenen Armen empfangen würde (aber wohl das Aus für den 2007 enttäuschenden Fisichella bedeuten würde – Kovalainen fuhr zwar unspektakulär, aber konstant in die Punkte und stand als Rookie im Schatten des übermächtigen Hamilton) … oder…

 

Red Bull. Der österreichische Brausemilliardär Mateschitz verfügt über das nötige Kleingeld und sicher auch den Willen, endlich einen echten Top-Fahrer an Land zu ziehen. Nix gegen Coulthard oder Webber, aber während der mindestens drei Jahre über seinen zweiten Frühling hinaus ist, hat der andere die hohen Erwartungen, die an ihn geknüpft waren, nie erfüllen können. Stellt sich nur die Frage, ob Alonso willens ist, für gutes Geld zu einem Mittelfeld-Team zu wechseln, möglicherweise ein Gurken-Jahr zu verbringen (da er auf jeden Fall für die Entwicklung des neuen Modells zu spät kommt) und zu hoffen, dass es besser wird (aber da sollte er die warnenden Beispiele von Jacques Villeneuve bei BAR, Damon Hill bei Arrows und Ralf Schumacher bei Toyota vor Augen haben).

 

Logisch für mich wäre die Alternative Renault, aber wenn Mateschitz mit der dicken Knete winkt, haben schon bei manchem die Hirnströme ausgesetzt. Sollte Alonso tatsächlich zu den roten Stieren wechseln, wäre das für den neutralen F1-Fan sicherlich extrem spannend… und jedes Team, das zusätzlich * wirklich * wettbewerbsfähig ist und nicht nur um den „best of the rest“-Titel mitfahren kann, wäre der Formel 1 sowieso zu wünschen. Also mach ich doch schon mal sicherheitshalber eine Dose Energydrink auf…

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