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Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug aus Straubing…

Es gibt drei Arten von bekloppten Eishockeyfans:

1. Die Fans, die mit einem Sonderzug zum Auswärtsspiel ihrer Mannschaft fahren.

2. Die Fans, die nach X-Stadt fahren, um mit dem Sonderzug DIESER Mannschaft zum Heimspiel zu fahren.

Und uns.

D.h. meine Wenigkeit, die Ninjette und Kumpel Hunter.

Wir fuhren nämlich mit dem Sonderzug der Straubinger nach Iserlohn. Also ehrlich zu einem Spiel, das für uns Nürnberger völlig irrelevant ist. Aber was tut man nicht alles der Gaudi wegen und dem Straubinger Fanbetreuer zuliebe 🙂

Da steht man dann auch Sonntag früh um 1 Uhr (also wirklich NACHTS, nicht mittags…) auf, um um 2:36 bei Eiseskälte auf’m Nürnberger Hauptbahnhof zu stehen und auf den Sonderhalt des Sonderzugs aus Straubing zu warten… 15 Wagen (inklusive zwei Partywägen) lang, bestückt mit 750 feierfreudigen Straubingern, jeder Menge Bier (das trotzdem bis Iserlohn fast alle war) und aufgrund der Niederlagenserie der Straubinger mit eher gedämpften Optimismus, was die Aussichten auf Punkte anging.

Unsereins suchte sich erst mal das richtige Abteil und akklimatisierte sich an den niederbayerischen Slang. Ninjette beschränkte sich erst mal darauf, sich von innen zu betrachten (mal ehrlich, ich BENEIDE Leute, die im Zug schlafen können. Ich kann’s nur, wenn ich wirklich tot bin). Gegen vier enterten Hunter und ich dann doch mal einen Partywagen (um die Uhrzeit konnte man diese Etablissements ohne Warteliste betreten ;-)) und leuchteten uns mit der Straubinger Bier-Mischgetränkspezialität „Goaß“ ein (mit dem großen Schuss Kirschlikör). Etwa um halb sieben oder so ging’s zurück ins Abteil, wo ich vzerzweifelt versuchte, doch noch ein paar Minuten Schlaf zu erhaschen. War aber nix, also lauschte ich der Party-Mucke des DJs (Feststellung: „Das rote Pferd“ ist das mit Abstand idiotischte, blödeste, schädelsprengend-schlechteste „Lied“ seit „Schnappi“. Mireille Mathieu würde im Grab rotieren, wäre sie tot. Aber wenn sie das Lied hört, geht sie vermutlich ein…) und hoffte auf pünktliche Ankunft. Immerhin doch schon gegen 11 Uhr liefen wir dann in Letmathe ein (angeblich hat dieses Kaff einen Bahnhof, der groß genug war, einen Zug solcher Länge zu beherbergen, im Gegensatz zum Iserlohner… trotzdem war der Ausstieg schwierig und führte durchs Gewölle).

Der Iserlohner ÖPNV muss an diesem Sonntag wirklich zusammengebrochen sein, denn nicht weniger als 10 vom Iserlohner Fanprojekt gecharterte Stadtbusse waren nötig, um die ganze versammelte Mannschaft zum Iserlohner Bahnhof zu kutschieren – eskortiert von Polizei und unbeachtlich jeder roten Ampel… Am Iserlohner Bahnhof warteten dann auch schon vielleicht hundert Iserlohner Fans als Empfangskommittee. Die wurden dann gleich von der mitgebrachten Blaskapelle mit niederbayerischem Kulturgut vertraut gemacht, ehe es dann, angeführt von vier Polizeipferden (ob die uns veräppeln wollten?), quer durch die Stadt per pedes gen Eishalle am Seilersee ging. Wie Hunter und ich bemerkten, hat Iserlohn einen derartigen Aufmarsch uniformierter strammer junger Burschen (höhö) seit 1939 wohl nicht mehr gesehen… (tschuljung für un-pc)… jedenfalls sorgte die Karawane für so manchen verwunderten Blick. Auch für diesen Trek wurden die Straßen gesperrt, zur Freude normaler motorisierter Iserlohner Verkehrsteilnehmer (Highlight: an einer gesperrten Kreuzung petzt eine Straubinger Fan-in „He, die telefoniert am Steuer!“)…

Vor der Halle hatten Straubinger Spezialisten bereits eine Ochsenbraterei aufgestellt, nebenan am Getränkestand versuchten sich die Iserlohner (leidlich erfolgreich, aber letztlich kommt’s doch auch nur auf die Umdrehungen an) an der Herstellung von „Goaßen“. Die musste natürlich probiert werden…

Hatte allerdings den Haken, dass nach Verköstigung festgestellt werden musste, dass die Halle praktisch schon voll war… die Iserlohner waren offensichtlich von der Masse Straubinger Fans *leicht* überfordert (neben dem Zug waren noch vier Busse angereist, so dass insgesamt gut 900 Fans aus Niederbayern ins Sauerland gepilgert waren) – der Gästeblock reichte jedenfalls nicht aus und so hatte auch Euer Ninja speziell vom ersten Drittel nur eine eher beschränkte Perspektive… aber er versäumte auch nicht viel. Highlight des Treibens in der Halle war sicher die Übergabe einer 11000-Euro-Spende der Straubinger für einen kleinen Leukämie-Erkrankten Iserlohner Jungen, über’s Spiel selber sollte man gar nicht viel schreiben.

Tu ich aber doch. Das erste Drittel war noch okay – den Straubingern wurde ein regulärer Treffer aberkannt, Iserlohn erzielte die Führung, aber noch war das ganze halbwegs erträglich, zumindest stimmte die Einstellung noch. Nachdem im zweiten Drittel aber der zweite Treffer für die Gastgeber fiel, war die Sache mehr oder weniger gelaufen (ich sagte unmittelbar nach dem 2:0 zu Hunter, „das war’s“ und ich hatte völlig Recht). Straubing fiel auseinander, kassierte das 3:0 und überliess es dann im Schlussabschnitt keineswegs herausragenden, aber nie geforderten Iserlohn Roosters, das Ergebnis zu verwalten. Der mitgereiste Straubinger Anhang machte seinem Unmut deutlich kund und begann das letzte Drittel mit dem Rücken zur Eisfläche und einem Loblied auf die architektonische Qualität der Iserlohner Stadionmauer.

Ein Kunststück vollbrachte Ex-Nürnberger Toni Bader, der es fertig brachte, selbst in einer kollektiv schlechten Straubinger Mannschaft, in der nur Keeper Mike Bales so wirkte, als wäre ihm das Ergebnis nicht schnurzpiepe, negativ herauszustechen.

Demgemäß war die Stimmung zur Rückfahrt zunächst eher gedämpft (bei der von Iserlohner Fans angestrebten Polonaise wollte keiner mitmachen), aber nachdem Jason Dunham sich stellvertretend für die Tigers-Mannschaft (die im Zug zurückfuhr) über die Zug-PA entschuldigte, nahm die Feierlaune wieder schnell überhand. Gegen 18.00 Uhr fuhr der Zug dann wieder zurück gen Niederbayern und doch so gegen 2.00 Uhr nachts wurden wir Nürnberger dann tatsächlich auch wieder abgesetzt (es gestaltete sich aber schon sehr nervig, dass aufgrund von Gleisarbeiten die letzten 25 km EINE STUNDE in Anspruch nahmen). Ich konnte auf der Rückfahrt sogar ein wenig schlafen (hurra!), bekam aber trotzdem mit, dass der DJ mindestens fünfmal „Fürstenfeld“ spielte (und das war mindestens dreimal zu oft. Haindlings „Bayern“ könnte ich aber noch’n paar Mal hören).

Einen besonderen Gruß richte ich an unseren Abteilgenossen Schneider Hansi. Den will ich nächstes Jahr wieder im Abteil haben (sofern wir wieder fahren…).

Abschließend noch ein paar Impressionen von der Fahrt, fotografisch festgehalten von Hunter (mehr Bilder gibt’s aufNoris Net Tigers.

Nürnberg, Hauptbahnhof, 2.30 Uhr - die Frisur des Ninja sitzt nicht wirklich…Letmathe, 11.00 Uhr - die Fanschar belagert den Bahnhof.Ufftata… Kulturschock für dasSauerland.Endlich mal wissen, wie sich die Affen im Zoo fühlen…Ich wollte nie Teil einer Massenbewegung sein…Tss… Marching Band sein wollen, aber nicht “Louie Louie” spielen…Kulinarische Köstlichkeiten für Sauerländer Banausen ;-)You never walk alone…Tun wir mal so, als interessiere uns das Spiel…Der Ninja ist nicht mehr so ganz in Form…Das Licht ist aus, wir geh’n nach Haus…

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