Ich wollte eigentlich nichts zu Eva Herman schreiben…

… und schon gar nicht als erstes Blogpost nach gefühlten dreihundertachtundzwölfzig Jahren, aber irgendwie hab ich bei der ganzen Diskussion folgendes Bild vor Augen:

Versammlungsleiter: „Also, frage ich euch, was, außer den Familienwerten, der Autobahn, der Vollbeschäftigung, der öffentlichen Sicherheit, Territorialgewinn, dem Volkswagen, den Olympischen Spielen, dem Ehegattensplitting, der Krankenversicherung für Rentner, Hitlers Tierliebe, sexueller Freizügigkeit und dem KdF-Urlaub, haben die Nazis jemals gemacht?“

Zaghafte Stimme aus der letzten Reihe: „Die Juden vernichtet?“

 Versammlungsleiter: „Ach, die Juden. HALT DIE KLAPPE!“

 Ich halte Frau Herman nicht für eine „Nazitante“. Allerdings halte ich sie für dumm. Wer seit Zig Jahren in der Medienwelt arbeitet, sollte realisieren, dass er bei bestenfalls ungeschicktem, schlechtestenfalls böswilligem Herumlavieren mit, sagen wir mal, belasteten Vokabeln wie „Gleichschaltung“, in eine bestimmte Ecke gestellt wird. Und ganz so unwohl scheint sie sich, wie ihr Auftritt vor den Fundi-Katholen belegt, ja auch nicht dort zu fühlen.

Ihre kruden Thesen zeugen m.E. nicht von Anhängerschaft nationalsozialistischem Gedankenguts, sondern eher von persönlicher Frustration, dem Glauben, durch Karriere und vier Ehen irgendetwas „wichtiges“ verpasst zu haben. Das kann sie meinetwegen glauben, meinetwegen drüber schreiben auch.

Was aber auch die z.B. im Niggemeier-Blog massenweise auftretenden Hermann-Apologeten angeht, so sei diesen nochmals ins Stammbuch geschrieben: Meinungsfreiheit heißt durchaus, dass man jeden Blödsinn sagen und vertreten darf. Es heißt aber nicht, dass einem bei offenkundigem Blödsinn kein Gegenwind ins Gesicht blasen darf. Wer Frau Hermanns diffusen Theorien, ihren seltsamen Vergleichen und dem Auspacken der Nazi-Keule (eigentlich ist sie ein typischer Fall von „Godwin’s Law“), nicht zustimmt, hat genauso jedes Recht darauf, dies zu tun. Und Frau Herman hat sicherlich genügend öffentlichkeitswirksame Auftritte gehabt, um sich über mangelnde Gelegenheiten, ihre Positionen darzulegen, nicht beschweren zu können. Wenn sie es nicht kann, weil sie vermutlich selbst nicht weiß, worauf sie letztlich hinaus will, ist das nicht das Problem ihrer Gegner.

Apropos (nachträglich noch reinfummel): den Broder-Kommentar bei SPON (Verlinkung spar ich mir, zum Spiegel wird jeder selbst finden) halte ich für Blödsinn. Natürlich kann ich sagen: „Ich fahr heut über die Autobahn nach München“, ohne ein „aber ich distanzier mich natürlich vor den Nazis, die sie haben bauen lassen“ anzufügen.  Es kommt auf den Kontext an. Wer aber „Familienwerte“ und „drittes Reich“ im selben Satz verwendet, muss sich halt genau überlegen, WIE er sich ausdrückt, um nicht missverstanden zu werden.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Ich wollte eigentlich nichts zu Eva Herman schreiben…

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